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Letztes Update:
30.11.2005

Marion Zimmer Bradley

Tochter der Nacht

Machtvolle Wesen und Menschengestalten bekämpfen, lieben, hassen, verzehren, bewähren und beweisen sich im Verlauf dieses von Marion Zimmer Bradley mit großer innerer Anteilnahme erzählten Romans, der Mozarts Oper "Die Zauberflöte" nicht nur feinsinnig nachbildet, sondern auch psychologisch und zeitgemäß durchdringt:

Sarastro, der Priester-König und Herrscher über das Lichtreich; die Sternenkönigin, schreckliche Herrscherin der Nacht, deren dämonische Macht die Tier-Menschen in Agnst und Schrecken hält; Pamina, ihre und Sarastros Tochter, die sowohl der Unter- wie der Überwelt verbunden ist, und von Sarastro aus dem Palast der Mutter entführt wird, um sie deren Einfluß zu entziehen; Tamino, Lichtprinz und Sohn des Kaisers aus dem Westen, der auf Bitten der Sternenkönigin Pamina zu befreien versucht; Monostatos, ein Halbling, Sohn der Sternenkönigin und der Großen Schlange, der sich in den Besitz des Throns der Weisheit und Paminas bringen will; Papageno, ein Vogel-Mensch, von unerschöpflicher Sinnenlust und arglosem Wesen, der Tamino bei Paminas Befreiung behilflich ist.

Dramatisch ausgebaut und erweitert im Vergleich zur Oper ist vor allem der zweite Teil der "Tochter der Nacht", der von den Prüfungen erzählt, denen sich das liebende Paar – Tamino und Pamina – zunächst getrennt, dann gemeinsam, unterziehen muß. Die Elemente Erde, Luft, Wasser und Feuer müssen durchschritten und zusammngebracht werden. Schließlich, während der letzten Prüfung, im Feuerelement, findet die große Auseinandersetzung Paminas mit ihrer Mutter statt; die Sternenkönigin hatte zwar einst die Prüfungen bestanden, ihre neuen Fähigkeiten und Erkenntnisse aber ihrer Macht und ihrem grausamen Stolz dienstbar gemacht.

Mit dem Anruf der Wahrheit zwingt die liebende und liebesfähige Tochter die Mutter, sich und ihr wahres Wesen selbst zu offenbaren: Als Eule fliegt sie davon. Pamina wird selbst Sternenkönigin; und mit Tamino, dem künftigen Nachfolger Sarastros, kehrt sie zum Tempel des Lichts und zu den Menschen zurück …

Mit ihrem neuen Roman "Tochter der Nacht" ist es Marion Zimmer Bradley gelungen, Musik und Imagination der "Zauberflöte" in Worte zu kleiden und den geheimen Sinn dieser Oper transparent zu machen. In ihrer Nachbemerkung schreibt sie: "Fantasy führt uns geradewegs in unsere Psyche und zu unseren 'Vorbildern', zu den Bedürfnissen von Seele und Geist."

Genau dieses haben schon Schikaneder/Mozart getan, als sie mit ihrem 'Zaubermärchen' auf ein Urmotiv der menschlichen Seelengeschichte zurückgriffen: auf den Gegensatz und den Kampf von Licht und Finsternis, Hell und Dunkel, Gut und Böse.

Marion Zimmer Bradley hat diesen Stoff dramatisch verdichtet und die Wandlung des Natur- und Geistesmenschen, seine Reinigung durch Prüfungen und seine Erlösung durch die Kräfte der Freundschaft, der Weisheit und der Liebe so wunderbar erzählt, daß der Leser wie 'bezaubert' ist.



Bewertung folgt

Cover

Verlag: Krüger
Hardcover, 301 Seiten
erschienen: 1985
ISBN: 3810526088
Original: Night's Daughter (1985)
Genre: Fantasy


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