Eule   Die Bücher-Eule


Letztes Update:
30.11.2005

Andreas Eschbach

Exponentialdrift

Auf einer Pflegestation erwacht ein Mann, der seit vielen Jahren im Wachkoma gelegen hat. Die Welt um ihn herum kommt ihm seltsam vor. In seinen Erinnerungen mischen sich Bilder, die nicht zueinander passen. In ihm reden Stimmen durcheinander, die er nicht versteht. Am wenigsten identifizieren kann er sich mit dem Elementarsten von allem, mit sich selbst.

Er kommt zu der Überzeugung, in Wirklichkeit ein Außerirdischer zu sein, den es in den Körper eines Menschen verschlagen hat. Eine Wahnvorstellung? Der Neurologe, der ihn behandelt, ist fasziniert. Seine Frau fühlt sich ihm entfremdet. Und dann ist da noch ein geheimnisvoller Fremder, der ihn zu verfolgen scheint …

Dieser Roman ist ein hochspannendes Buch. Aber es ist auch mehr: Es ist ein literarisches Experiment. Vom September 2001 bis Juli 2002 erschien EXPONENTIALDRIFT als klassischer Fortsetzungsroman in der FRANKFURTER ALLGEMEINEN SONNTAGSZEITUNG, jede Woche eine Folge, Woche für Woche geschrieben und mit aktuellen Bezügen. Für die Taschenbuchausgabe dieses Thrillers stellte der Autor den jeweiligen Folgen die damals aktuellen Schlagzeilen voran und fügte einen ausführlichen Werkstattbericht hinzu, der interessante Einblicke in seine Arbeit und die Hintergründe des Projekts gewährt.



Bewertung:

Ein Mann erwacht nach vier Jahren aus dem Wachkoma und kann sich nicht mehr mit sich selbst identifizieren. Nach einiger Zeit kommt er zu der Überzeugung, dass er ein Außerirdischer ist. Sein behandelnder Neurologe findet heraus, dass es alle 11 Jahre irgendwo auf der Welt vorkommt, dass ein aus dem Wachkoma erwachender Patient sich für einen Außerirdischer hält. Doch sind es wirklich Außerirdische, oder sind das eher Nachwirkungen des Wachkomas in Form von Schizophrenie?

Dieser Roman erschien als Fortsetzungsroman in der Sonntagsausgabe der FAZ und jede Folge wurde auch extra für die entsprechende Ausgabe geschrieben. So war es möglich, tagesaktuelle Ereignisse in den Roman einfließen zu lassen. Damit man das auch jetzt noch erkennen kann, wurden in der Buchausgabe des Romans vor jede Folge die Schlagzeilen dieser Woche abgedruckt (und allein das macht das Lesen des Romans schon sehr interessant).

Die Idee der Geschichte ist wirklich sehr gelungen. Die Charaktere sind sehr gut eingeführt und es kommt auch richtig Spannung auf. Aber es gibt natürlich auch Negatives: So tauchen sehr gut eingeführte Charaktere später nicht mehr auf, teilweise wirken die Folgen einfach viel zu kurz, und auch das Ende wirkt sehr abrupt und könnte so manchen Leser enttäuschen.

Doch genau dafür ist das "Making Of", das im Anschluss an die Geschichte abgedruckt ist, wirklich gut. Der Autor erklärt darin, wie dieses Experiment eigentlich zustande kam, und auch wie er auf die Ideen kam und mit welchen Problemen er zu kämpfen hatte. Das ist einerseits sehr interessant, trägt aber andererseits auch sehr zum Verständnis des Werkes bei, was so manche Enttäuschung über die Geschichte versöhnt. So erfährt man z. B., dass das eigentlich für eine sehr viel längere Zeit geplante Projekt wohl aus finanziellen Gründen frühzeitig gestoppt wurde und der Autor ziemlich plötzlich zu einem Ende kommen musste.

Mein Fazit: Aus der Idee hätte man wohl wesentlich mehr machen können, aber wenn man das Buch als das sieht, was es ist, nämlich die Dokumentation eines interessanten Experimentes, dann kann man durchaus seinen Spaß daran haben.

Bewertung: 

So bewerte ich:
EuleEuleEuleEuleEule     besondere Bücher
EuleEuleEuleEule   sehr gut
EuleEuleEule   gut
EuleEule   geht so
Eule   gar nicht mein Fall

Cover

Verlag: Bastei Lübbe
Taschenbuch, 268 Seiten
erschienen: 2003
ISBN: 3404149122
Genre: Krimi/Thriller, Science Fiction


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